Über Umwege für die Nation: Israelbezogener Antisemitismus von links in den Sechzigerjahren

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By Beyerw (Own work) [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) or CC BY-SA 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons

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Die Sechzigerjahre waren nicht nur in der Bundesrepublik Zeiten des Aufbruchs. Überwiegend junge Linke suchten mit dem nationalsozialistischen Erbe zu brechen und stellten darüber hinaus das gesamte kapitalistische Wirtschafts- und Herrschaftssystem infrage. Es war eine Epoche, in der progressive Ideen diskutiert, (re)produziert und erprobt wurden. Doch sie hatte auch unter Linken ihre Schattenseiten. Eine davon war ihr Antisemitismus. Von Kai Brokopf

Fester Bestandteil Europas: Antisemitismus

Einigen mag es zunächst seltsam vorkommen, wenn von Antisemitismus innerhalb der Linken die Rede ist. Gilt und galt sie doch als entschiedene Gegnerin menschenfeindlichen Gedankenguts, während es die Rechte war, die ihn im deutschen Nationalsozialismus zu seiner absolutesten und extremsten Form brachte, die im millionenfachen militarisierten und industrialisierten Mord gipfelte.

Um das Phänomen besser verstehen zu können, sollte man sich zunächst vergegenwärtigen, dass Antisemitismus ein über Jahrhunderte tradierter Teil der europäischen Kulturen ist. Zunächst (scheinbar) religiös begründet, wurde er im Laufe des 19. und 20. Jahrhunderts immer mehr rassistisch aufgeladen. Dabei war dieser Verlauf weder zwangsläufig noch linear, bedenkt man, dass im Spanien der „Reconquista“ der Antisemitismus historisch sehr früh rassistische Züge aufwies (so wurde etwa das Konzept unterschiedlichen Blutes imaginiert), während dies zu rassistischen Hochzeiten im Polen des 19. und 20. Jahrhunderts deutlich weniger der Fall war.

Auch die Funktionen von Antisemitismus wechselten. Als identitätsstiftender Exklusionsmechanismus bei der Herausbildung der Nationalstaaten, insbesondere im deutschen Nationalismus, war er ebenso wirkmächtig wie in seiner Eigenschaft als antimoderne Welterklärung – bis in unsere Gegenwart hinein erfahrbar, bedenkt man die derzeitige Konjunktur von Verschwörungsideologien. Dabei konstruiert sich das antisemitische Weltbild „den Juden“ nach Bedarf immer wieder neu. Es sagt im Grunde nichts über jüdische Menschen aus, umso mehr aber über das antisemitische Subjekt.

Israel in Deutschland

Im westdeutschen Nachkriegs-Mainstream sorgte dieser Anpassungsmechanismus des Antisemitismus dafür, dass bei bestehenden Vorurteilen einfach opportunistisch die Vorzeichen umgekehrt wurden: Aus der unterstellten Raffgier etwa wurde eine ökonomische Begabung, die angebliche Heimatlosigkeit des verschwörerischen „internationalen Juden“ deutete man um in interkulturelle Kompetenz. Und bisher als „volksfremd“ Geschmähtes wurde in das Narrativ einer christlich-jüdischen Kultur eingepflegt.

Unter der Oberfläche freilich lebten hergebrachte antisemitische Klischees weiter. Auch verweigerte die Adenauer-Republik Israel, dem jungen Staat der Überlebenden, zunächst diplomatische Anerkennung und finanzielle Entschädigung. Die Linke in- und außerhalb des Parlaments hingegen zeigte sich dezidiert proisraelisch und trieb Anerkennung und Wiedergutmachung voran. Der jüdische Staat zog die Sympathie vieler Linker auf sich, nicht nur da er als Heimstätte der vom Nationalsozialismus Verfolgten (und ehemaligen Leidensgenoss*innen) galt, sondern auch weil er mit seiner eher linken Regierung und der Kibbuz-Bewegung als progressives Projekt angesehen, oder gar als solches überhöht wurde.

Nicht zu unterschätzen allerdings ist die Tatsache, dass sich in einer israelfreundlichen Haltung auf besonders anschauliche Weise die Opposition zur Regierung ausdrücken konnte. Ein identitätsstiftendes Moment, das mit einem Mal wegfiel, als 1965 aus strategischen Gründen die Anerkennung doch erfolgte.

Die radikale Wende in linker Israelwahrnehmung erfolgte schließlich 1967 mit dem Sechstagekrieg. Statt sich reflektiert mit der Situation auseinanderzusetzen, dass die Opfer der Shoah auch Kriegsverbrechen begehen und Territorien besetzen konnten, ergriff die außerparlamentarische Linke fast geschlossen einseitig Partei für die Palästinenser*innen, deren Belange vorher nahezu keinerlei Beachtung gefunden hatten. Damit begann eine Dämonisierung Israels, die an antisemitischen Auswüchsen nicht vorbeikam. Es ist dieser israelbezogene Antisemitismus, auf den hier Bezug genommen wird – die auch in linken Kreisen vorkommende antisemitische Kapitalismuskritik hingegen wird nicht behandelt.

 Jüdisch? Zionistisch!

Linke in den Sechziger- und Siebzigerjahren wollten nun keineswegs als antisemitisch gelten. Israelfeindliche Kritik wurde unter Zurückweisung jeglicher Antisemitismusvorwürfe als antizionistisch gelabelt. Durch die Eröffnung einer Dichotomie jüdisch ungleich zionistisch unter der Annahme Israel gleich Zionismus entzog man sich also einer komplexen und schwer lösbaren Herausforderung. Denn einerseits versteht sich Israel als jüdischer Staat und potentielle Heimstätte aller jüdischen Menschen, indes können jüdische Menschen nicht mit Israel gleichgesetzt werden. Ein für viele wohl zu komplexes Setting.

Der Schatten des Faschismus

Die aufbegehrenden Linken der „68er“ waren zumeist junge Menschen, die den Nationalsozialismus nicht direkt miterlebt hatten. Sie waren zutiefst empört über die personellen und mentalen Kontinuitäten, die aus der NS-Zeit in die junge Bundesrepublik hineinwirkten. Niemand konnte damals mit Sicherheit wissen, dass diese in Verbindung mit Notstandsgesetzen, aggressivem Antikommunismus, erstarkendem neonazistischen Gedankengut (Erfolge der NPD, Friedhofschändungen) und studierendenfeindlicher Hetze bis hin zur Erschießung Benno Ohnesorgs nicht wieder in ein autokratisches Regime, einen „neuen Faschismus“ münden würden. Doch bei aller berechtigten Kritik übersahen weite Teile der Neuen Linken in ihrer Fokussierung auf die Kontinuitäten die Brüche mit dem Nationalsozialismus. Der Vernichtungsantisemitismus als dessen konstitutives Element hatte es eben nicht in die Staatsräson der Adenauer-Republik geschafft. Der beinahe inflationär verwendete Faschismusbegriff wurde um seinen antisemitischen Gehalt gekürzt und vereinfacht, sodass er als Instrument der Gegenwartsanalyse nutzbar wurde. Da Faschismus hierbei allerdings implizit als deutscher Faschismus, also Nationalsozialismus gedacht wurde, ohne jedoch das antisemitische Moment zu berücksichtigen, entstand ein blinder Fleck gegenüber seiner spezifischen antisemitischen Qualität. Dies erst ermöglichte die vorschnelle Gleichsetzung von Israelis und Faschisten, die – gewollt oder ungewollt – zu einer Täter-Opfer-Umkehr beiträgt. Die Opfer der alten Faschisten wurden so als die neuen Faschisten präsentiert.

Ihre ehrliche und fundamentale Opposition zum Nationalsozialismus der Elterngeneration machte die jungen Linken zudem wenig empfänglich für Fragen „ererbter“ Schuld und verhinderte so die Entwicklung eines ausgewogenen historischen Perspektivenbewusstseins. Das Gefühl, nichts mit dem Nationalsozialismus zu tun zu haben und gleichzeitig als Aufbegehrende Opfer eines weiterhin wirkenden Faschismus zu sein, desensibilisierte für die Zusammenhänge von NS-Massenmord, Israels Staatsgründung und europäisch-deutscher Verantwortung.

Progressive Medien, sekundärer Antisemitismus

Analysiert man zeitgenössische Artikel zum israelisch-palästinensischen Konflikt in linken Medien wie etwa konkret oder Agit 883, fallen vor allem zwei antisemitische Motive auf: die

(partielle) Gleichsetzung israelischer Politik mit der des nationalsozialistischen Deutschlands und die bis ins Verschwörerische reichende Überschätzung jüdischer und/oder israelischer Macht. Diese Motive sind damit überwiegend einem Phänomen zuzuordnen, das sekundärer Antisemitismus genannt wird. Dieser Antisemitismus bezieht sich implizit auf die nationalsozialistischen Verfolgungen und postuliert letztendlich, „die Juden“ seien einerseits nicht wirklich besser als die Nazis und trachteten andererseits – unterstützt von einer riesigen „zionistischen“ Lobby – danach, Kapital aus ihrem Leiden zu schlagen.

„Blitzsieger“ und „Nationalzionisten“

Die Beispiele sind einschlägig. Mal habe sich „der Zionismus“ „später faschistischer Praktiken bedienen“ müssen, mal schlugen sich palästinensische Aktive „mit den faschistischen Truppen und Polizeiverbänden der Israelis.“ Siegessicher stellte man aus sicherer Entfernung fest: „Die Anfangserfolge Hitlers waren weit größer […] trotzdem ging der Traum vom ‚Großdeutschen Reich’ schnell zu grunde [sic!], so wie es auch mit dem größenwahnsinnigen Plan eines Groß-Israel vom Nil zum Euphrat früher oder später zu Ende sein wird.“[1]

Ein Artikel eines „Palästina Komitees“ in der Agit 883[2] erwähnt zwar immerhin den Antisemitismus als Ursache der jüdischen Besiedlung Palästinas, rückt diese aber ein paar Absätze später mit der Wortschöpfung „Nationalzionismus“ besonders kreativ in die Nähe des Nationalsozialismus. Dieser steht auch bei der Einschätzung der Frage Pate, ob denn die bewaffnet kämpfenden Palästinenser*innen als terroristisch zu bezeichnen seien: „Auch die nationalsozialistischen ‚Blitzsieger’ und Okkupanten pflegten den Widerstand der patriotischen Partisanen Terror zu nennen.“ Israel hat in dieser Sicht eindeutig die Rolle NS-Deutschlands eingenommen. Schließlich wurde der Sechstagekrieg 1967, infolgedessen Israel zur Besatzungsmacht wurde, allgemein als „Blitzkrieg“ aufgefasst

Ein mutmaßliches Kriegsverbrechen der israelischen Armee, die ägyptische Gefangene zwang, ohne Schuhe durch den Wüstensand zu laufen, wird ohne Not gar in die Nähe der Shoah gerückt: „So betrachtet, gewinnen die Schuhfelder auf dem Kriegsschauplatz eine makabre Ähnlichkeit mit jenen Schuhbergen, die etwa in Auschwitz an die Zeiten deutscher Herrschaft erinnern…“[3] Und als handle es sich um die Wiederkehr der Nazis, war folgerichtig auch von der „palästinensischen Résistancebewegung“[4] die Rede.

Nicht repräsentativ, aber auch nicht im luftleeren Raum: die Bombe im Gemeindehaus

Es ist die Gleichsetzung von Israel und nationalsozialistischem Deutschland, die ebenfalls herhält für den wohl spektakulärsten Fall „linken“ Antisemitismus zu APO-Zeiten: einem versuchten Bombenanschlag auf das Jüdische Gemeindehaus West-Berlins. Ausgerechnet am Jahrestag der antijüdischen Pogromnacht von 1938 platzierten die „Schwarzen Ratten TW“ (Tupamaros Westberlin) eine – von einem Agent Provocateur des Verfassungsschutzes bereitgestellte – Bombe im Jüdischen Gemeindehaus. Sie zündete nicht, wurde jedoch von expliziter Propaganda begleitet und verfehlte so eine gewisse Schockwirkung nicht. Das auch in der Agit 883 verbreitete Bekennerschreiben behauptete: „Unter dem schuldbewußten Deckmantel der Bewältigung der faschistischen Greueltaten [sic!] gegen Juden“ helfe die BRD „entscheidend mit an den faschistischen Greueltaten Israels gegen die palästinensischen Araber.“

Es ist glaubwürdig, wenn in konkret zu lesen ist, dass fast alle linken Gruppen das versuchte Attentat und eine zeitgleich begangene antisemitische Denkmalschändung verurteilten. Der in Berlin-Schöneberg untergetauchte Ex-Kommunarde Dieter Kunzelmann allerdings verbreitete seine eigene Interpretation dieser Ablehnung. Er schrieb in einem seiner „Briefe aus Amman“ vom „Judenknax“, aufgrund dessen die westdeutsche Linke nicht klar Partei ergreife für gewalttätige (antisemitische) Aktionen gegen Israel, „das Dritte Reich von Gestern und Heute“.

Von Davids und Goliaths

Auch für einen angeblichen unverhältnismäßigen jüdischen Einfluss in der Welt finden sich zahlreiche Beispiele. Ob die „Herrschenden in Israel die Weltöffentlichkeit manipuliert haben“[5] oder eine „Gestapo-Aktion bei palästinensischen Genossen“ durchgeführt worden sei, um „die zionistischen Kreise der Jüdischen Gemeinde in Westberlin zu befriedigen, die mit der Senatsbürokratie eng verfilzt sind“[6] – die linke Publizistik trat oft an, um die entsprechende „Wahrheit“ darüber zu enthüllen, „wer im Nahen Osten die wirklichen Davids und die tatsächlichen Goliaths sind“[7].

Neben diesen beiden Hauptmotiven findet sich auch das Bild Israels als Fremdkörper. Es knüpft an die tradierte Vorstellung an, jüdische Menschen führten ein parasitäres Leben zulasten der jeweiligen Mehrheitsgesellschaft. Unfähig oder nicht Willens, der Komplexität der Entstehung Israels im Spannungsfeld von europäischem Antisemitismus und europäischer Kolonialherrschaft – einschließlich zweier Weltkriege – Rechnung zu tragen, wird das Land als „Schädling“ für eine ansonsten „gesunde“ Region gezeichnet. Derlei Fahrlässigkeit und mangelndes historisches Perspektivenbewusstsein führten mit dazu, dass Menschen, die offenbar sehr großen Wert darauf legten, nicht als antisemitisch verstanden zu werden, eben doch antisemitische Stereotype bedienten.

Die Welt ganz nah

Neben dem erwähnten vereinfachten Faschismusverständnis war für diese Phänomene die weltpolitische Konstellation jener Jahre ebenfalls wichtig. In einer Zeit, in der der europäische Kolonialismus weltweit auf dem Rückzug war, erkämpften nationale Befreiungsbewegungen die Unabhängigkeit ehemals kolonisierter Länder und genossen die Sympathien linker Bewegungen in Europa und Nordamerika. In dieses Raster passten auch die bewaffneten palästinensischen Organisationen, die neben ihrer nationalen Ausrichtung in marxistischem Duktus auftraten und so besonders anschlussfähig unter bundesdeutschen Linken wurden. Das Objekt ihrer Kämpfe – Israel – wurde hingegen von der US-Regierung unterstützt. Die USA jedoch, die Sieger über den Nationalsozialismus, waren gemäß einem vereinfachenden „antiimperialistischen“ Weltbild und aufgrund ihrer tatsächlichen Verbrechen in Vietnam in der Sicht deutscher Linker von Befreiern zu Unterdrückern geworden. Manche vermochten im jüdischen Staat so auch nur den „Brückenkopf des Imperialismus im Nahen Osten“ zu erkennen. Und auch wenn die Sowjetunion bei einem Großteil der außerparlamentarischen Linken nicht gerade auf Sympathien stieß, so stellte es doch eine pointierte Provokation dar, in der Israel-Palästina-Frage ähnliche Positionen zu beziehen. In gewisser Weise wurde so der regionale Konflikt zwischen Jordan und Mittelmeer durch Dekolonisierung und Ost-West-Konflikt übercodiert und bekam so eine inter- und transnationale Dimension.

Motivation – Projektion – Identifikation

Den außereuropäischen Befreiungsbewegungen kam eine Schlüsselfunktion linker Debatten jener Jahre zu. Ihr Kampf setzte eine enormes Politisierungs- und Mobilisierungspotenzial frei. Einer kleinen Guerillaarmee (die regulären nordvietnamesischen Truppen wurden in der Regel nicht erwähnt) gelang es, die potenteste Militärmacht der Welt aufzuhalten. Wenn dies möglich war, schien alles möglich zu sein. Die Solidarisierung mit den Befreiungsbewegungen nahm mitunter Züge einer emotionalen Identifizierung an. So konnten die Siege des Vietkong als eigene Erfolge erlebt werden – und umgekehrt politische Aktionen gegen den Vietnamkrieg in Deutschland als die kämpfenden und leidenden Menschen vor Ort unterstützend oder gar entlastend wahrgenommen werden. Sie stellten einfach einzuordnende Lichtblicke dar im Kampf für eine bessere Gesellschaft im komplexen und nicht rückschlagsfreien Alltag im Wirtschaftswunder-Deutschland. Auf diese Weise konnten eigene revolutionäre Sehnsüchte auf die Befreiungsbewegungen außerhalb Europas projiziert werden, sie wurden Vorbild für die Aufbegehrenden. Gleichzeitig rückte man die US-Verbrechen in Südasien in die Nähe der Naziverbrechen und relativierte damit deutsche Schuld. Während die zu Täter- oder Mitläufer*innen gewordene Elterngeneration auch zu den Verbrechen in Vietnam schwieg, fanden sich junge Linke in ihrer Opposition gegen den Krieg auf der richtigen Seite der Geschichte wieder und konnten über diesen Umweg quasi nachholen, was ihre Eltern versäumt hatten.

Die Sache mit der nationalen Befreiung

Die Befreiungsbewegungen waren nicht nur antikolonial, sondern auch oder in erster Linie national. In Deutschland allerdings schien die Idee der Nation durch die Naziverbrechen endgültig verbrannt. Es ist gut möglich, dass sich unbewusste nationale Sehnsüchte, die im postnationalsozialistischen Deutschland zu Recht nicht artikuliert wurden, auf die außereuropäischen Nationalbewegungen projizierten. Während es keinen positiven Bezug auf „die deutsche Nation“ geben konnte, war es ein Leichtes, ihn in Kombination mit revolutionären Hoffnungen für die vietnamesische, kubanische oder eben auch für die palästinensische Nation herzustellen. Über diesen Umweg, und von vielen sicher ungewollt und unbemerkt, wurden dem Konzept der Nation auch in Bezug auf Deutschland quasi rückkoppelnd positive Aspekte eingeschrieben.

Fazit

Die Kombination aus vereinfachtem, universellem Faschismusbegriff und die über Solidarität hinausgehende Identifikation mit den leidenden und kämpfenden Palästinenser*innen eröffneten so zu Zeiten der Blockkonfrontation ein ungewolltes Einfallstor für zwei tief wurzelnde europäisch-deutsche Übel. Weite Teile der Neuen Linken der 1960er und 70er Jahre wähnten sich gegenüber Nationalismus und Antisemitismus immun, während sie sich ihrer unbewusst bedienten und sie letztendlich reproduzierten.


Dieser Artikel basiert auf der Masterarbeit des Verfassers, die hier heruntergeladen werden kann. Dort finden sich auch alle Literatur- und Quellenangaben.

[1] apo press 3/II (1969). S. 7f.

[2] Agit 883 30 (1969), S. 2f.

[3] konkret 18 (1969). S. 30f. In einem Leserbrief in konkret 20 (1969), S. 2 wurde daraufhin die Einseitigkeit dieses Artikels scharf kritisiert.

[4] Argument 51 (1969). S. 154.

[5] Argument 51 (1969). S. 154

[6] Rote Presse Korrespondenz 50 (1970) S. 4.

[7] konkret 13 (1970). S. 44.

2 KOMMENTARE

    • Hallo! Freut uns natürlich sehr, wenn dir der Artikel gefällt. Dass es manchmal etwas knapp ist, liegt in der Tat am Kürzen. Der Artikel ist ja für Blogmaßstäbe jetzt schon recht lang. Wenn du dich aber weiter reinlesen möchtest, ist die gesamte Masterarbeit unter dem Artikel verlinkt. /Jan

      P.S. Deine Seite sieht sehr spannend aus, da werde ich mich mal ein bisschen durchklicken. 🙂

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