Schließt die Kommentarspalten!

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Die Kommentarspalten von Spiegel Online, Zeit oder Facebook sind ein Hort rassistischer und menschenverachtender Ergüsse geworden. Egal welches Thema — nie muss man lange warten bis irgendein Troll „den Flüchtlingen“ die Schuld gibt. Darum: macht sie dicht! Ein Zwischenruf von Jan Schaller

Wenn ich bisher meinen Morgenkaffee trank und durch die News der Nacht und des frühen Morgens surfte, tat ich das auf Facebook. Auch nachmittags wieder, wenn mich das berühmte Nach-dem-Essen-Produktivitätsloch einholte. Und abends nach Feierabend sowieso. Warum auch nicht? Ich habe dort alle meine Newsquellen gebündelt und hübsch aufbereitet.

Das Problem an der Sache ist aber, dass ich danach meist schlechte Laune habe. Daran ist zwar auch das Weltgeschehen Schuld — vielmehr aber der Internetmob, der sich unter jedem x-beliebigen Artikel austobt. Am Schlimmsten natürlich bei allem was ansatzweise mit Geflüchteten oder „dem Islam“ zu tun hat. Interessanterweise aber auch bei jedem anderen Thema. Ein Artikel, dass Berliner Schulen dringend saniert werden müssen? „Aber die Flüchtlinge bekommen alles!!“ Ein Länderbericht über Ungarn? „Ja, die machen es richtig mit ihrem Zaun!!“ Die Aufzählung könnte beliebig weitergehen.

Kein Mehrwert erkennbar

Darauf habe ich keine Lust mehr. Die Kommentarspalten waren einst das Versprechen auf einen anderen Journalismus, in dem Journalist*in und Leser*innen Lob und Kritik, Anregungen und Nachfragen auf viel direkterem Weg als bis dato austauschen können. Mittlerweile bestehen sie zu 98% aus menschenverachtendem Müll und Reaktionen darauf.

Wir haben jetzt genau zwei Möglichkeiten. Die erste wäre ein sagenhaftes Konjunkturprogramm im Billiglohnsektor und würde bedeuten, tausende und abertausende Menschen einzustellen, die permanent damit beschäftigt wären, diese 98% der Kommentare zu löschen — oder am besten direkt vor Freischaltung zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. In dieser Hinsicht ist das Netzwerkdurchsetzungsgesetz (Netz-DG), welches seit Beginn diesen Jahres gilt, absolut zu begrüßen. Es zwingt Onlineplattformen dazu, strafbare Inhalte zu löschen. Bei dauerhafter Missachtung drohen hohe Bußgelder. So werden zumindest die schlimmsten Ausfälle gelöscht. Letztendlich bräuchte man aber wohl ein Super-Netz-DG, welches nicht nur strafbare, sondern auch offensichtlich unkonstruktive (dumme) Beiträge löscht.

Aber das ist doch Zensur!, höre ich die Leute schreien. Nein, ist es nicht. Ich verbiete niemandem seine oder ihre Dummheiten ins Netz zu kippen — aber dann bitte da, wo ich es nicht lesen muss. Von mir aus kann jede*r auf seinem oder ihrem Blog tun und lassen was er oder sie will (das tue ich schließlich auch 😉), aber es gibt eben kein Recht, das in aller Öffentlichkeit zu tun. In der ARD darf schließlich auch nicht jede*r senden, der will.

Macht die Kommentarspalten dich

Die radikalere, vor allem aber auch einfachere Möglichkeit wäre es, Kommentarspalten generell zu schließen. Zugegeben; eine drastische Maßnahme. Was würden wir aber verlieren? Sicherlich den ein oder anderen wertvollen Hinweis, weiterführenden Gedanken oder klugen Widerspruch. Aber eben vor allem 98% Hass, Menschenfeindlichkeit und Dummheit. Außerdem bliebe ja noch der gute alte Leser*innenbrief.

Ich löse das Problem mittlerweile so: Ich habe alle meine Nachrichtenquellen in einem RSS-Reader. So nervt mich erstens nicht mehr der Timeline-Algorithmus von Facebook und zweitens muss ich mir keine Kommentarspalten mehr antun.

2 KOMMENTARE

  1. In manchen Kommentarspalten war ich kurz davor mein Smartphone gegen die nächste Wand zu klatschen. Es ist wirklich ein Sammelsurium an Hass, Hetze und Sinnlosigkeit. Da finden sich Idioten über Idioten zusammen und spielen Professoren…man sollte sowas eigentlich ignorieren, aber manchmal sind die Kommentare so beängstigend, dass ich sie nicht ignorieren kann. Aber mit Argumenten zu kommentieren braucht man auch nicht…in der Masse fühlen sich diese Typen ja im recht.

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