Frieden in Israel/Palästina? – Über Pläne der letzten 100 Jahre

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Wir melden uns zurück aus der Winterpause. Nach einigen ruhigen Tagen haben wir nun einen Plan für das neue Jahr und starten 2018 mit einer Rezension zu einem Dokumentenband, der sich mit Regelungsvorschlägen zum israelisch-palästinensischen Konflikt beschäftigt. Wir hoffen auch in diesem Jahr, wieder zahlreiche Leser_innen begrüßen zu können und Euch weiterhin interessante Themen zu präsentieren.


2017 erschien im AphorismA Verlag ein 724 starker Dokumentenband, der Beiträge zum israelisch-palästinensischen Konflikt enthält, d.h. Verträge, Resolutionen und Abkommen. Das von Angelika Timm herausgegebene Buch erschien in der Schriftenreihe des deutsch-israelischen Arbeitskreises (diAk). Die Nahostwissenschaftlerin lehrte an der Humboldt-Universität in Berlin Israelwissenschaften und war Gastprofessorin an der Hebräischen Universität, der Universität Innsbruck, der Bar-Ilan-Universität und der Universität Haifa. Anschließend war sie von 2009–2015 Leiterin der Außenstelle der Rosa-Luxemburg-Stiftung in Israel.

Das Erscheinen des Bandes wird begründet mit einem Verweis auf die vielen Jahrestage 2017 (Balfour-Erklärung 1917, Teilungsbeschluss der UN 1947, Krieg 1967, Intifada 1987) – oder besser: verkauft.

Das Buch

In der kurzen Einleitung kontextualisiert Timm die Geschehnisse im Nahen Osten und geht dann vor allem auf den Band selbst ein. Dieser richtet sich primär an Politiker_innen und Akademiker_innen, die sich der Region besonders widmen. Darüber hinaus soll der Band Interessierten aller Art als Nachschlagewerk dienen. Der Anspruch, sich an Akademiker_innen zu richten zeitigt die Konsequenz, dass der Band grundlegende wissenschaftliche Standards wahren sollte. Die Kommentierung und Verweise lösen dieses Versprechen ein, ebenso die Beschreibung Timms, warum die Dokumente ausgewählt wurden und welche Prioritäten dabei gesetzt wurden. So führt sie beispielsweise aus, dass

„autorisierten internationalen Beschlüssen und staatlichen Plänen im Dokumentenband Priorität eingeräumt [wird]; auf die Wiedergabe von Reden prominenter Politiker wurde verzichtet, soweit sie nicht bemerkenswerte Vorschläge und Initiativen enthalten, wie z.B. die letzte Nahost-Wortmeldung des damaligen US-Außenministers John Kerry von Dezember 2016.“ (Timm 2017: 13)

Das Buch ist chronologisch geordnet und neben Dokumenten wie der Balfour-Erklärung, der Teilungsresolution 181, der Resolution 242 sowie den Oslo-Abkommen – also im Prinzip Standards – finden sich zusätzlich weitere Pläne. Beispielsweise der Allon-Plan 1970/76, die Clinton Eckpunkte (2000) bis hin zum Sieben-Punkte-Plan des damaligen deutschen Außenministers Joschka Fischer (2002) und den jüngsten Versuchen, der Pariser Nahostfriedenskonferenz im Jahr 2017.

Das Buch hält was es verspricht, auf Grund der Auswahlkriterien fallen allerdings auch gesellschaftliche Initiative aus dem Blickwinkel, die möglicherweise auch interessante neue Ansätze und Impulse einbringen könnten. Ein Beispiel wäre die Two States One Homeland – Initiative von Israelis_Israelinnen und Palästinenser_innen welche versucht ohne eine Teilung zwei Staaten zu realisieren. Dabei soll es aber ermöglicht werden, dass alle Bürger_innen dieses Landes überall wohnen können (unabhängig ihrer Staatszugehörigkeit).

Eine solche Quellensammlung, insbesondere auf Deutsch (und teilweise Englisch) mit entsprechenden Einleitungen und Kommentaren war sicherlich eine editorische Herausforderung, doch konnte Angelika Timm diese sehr gut bewältigen. Interessierte müssen nun nicht mehr unbedingt auf englischsprachigen Editionen, wie The Israel-Arab Reader herausgegeben von Walter Laqueur und Barry Rubin, zurückgreifen. Da diese Dokumentensammlung nicht dafür gedacht ist allein benutzt zu werden, sollte für ein tiefergehendes Verständnis neben den knappen Einleitungen zu den Dokumenten weitere Literatur herangezogen werden.

Fazit?

Insgesamt kann dieses Buch all denjenigen ans Herz gelegt werden, die sich tatsächlich mit dem israelisch-palästinensischen Konflikt auseinandersetzen möchten und nicht scheuen, sich die vielen Ideen und Dokumente zu Gemüte zu führen. Obwohl es mit etwas über 700 Seiten ein ganz schöner Wälzer ist, schlägt sich dies nicht im Preis wieder, der mit 35,00 € angemessen ist.

© AphorimA

Angelika Timm (Hg.): 100 Dokumente aus 100 Jahren. Teilungspläne, Regelungsoptionen und Friedensinitiativen im israelisch-palästinensischen Konflikt (1917–2017). Berlin: AphorismA 2017. ISBN: 978-3-86575-063-1. Zur Verlagswebseite.

Wir danken dem AphorismA-Verlag für die Überlassung eines Rezensionsexemplares.

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