Schöner Wohnen mit Bernd Höcke

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(c) Patryk Witt / Zentrum für Politische Schönheit

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Das Zentrum für Politische Schönheit hat das Mahnmal für die ermordeten Juden Europas quasi in den Vorgarten von Bernd Höcke gebaut. Das ist witzig. Hilfreich in der Auseinandersetzung mit der AfD ist es nicht. Ein Kommentar von Jan Schaller

Das Zentrum für politische Schönheit (ZPS) hat es mal wieder getan. Offenbar hat das Künstler*innen-Kollektiv ein Haus in Sichtweite zu Bernd Höckes Wohnsitz gemietet, um dort ein Mahnmal aus Betonstelen zu errichten. Das ist natürlich dem Mahnmal für die ermordeten Juden Europas im Berliner Regierungsviertel nachempfunden. Es soll ein Zeichen gegen Höckes „Denkmal der Schande“-Rede aus dem Januar dieses Jahres sein und wurde aus diesem Grund auch um 180° gedreht. Unter https://deine-stele.de kann man nun für den Weiterbetrieb der Aktion spenden. Auf Twitter scheinen die Reaktionen auf die Aktion einhellig zu sein (zumindest innerhalb meiner Filterbubble) – viel Gelächter, haha das Zentrum mal wieder, da haben sie’s dem Höcke aber mal gezeigt, haha! Ein paar weitere Stimmen weisen noch auf die Wichtigkeit der Aktion hin, weil es einfach nach wie vor ein Skandal sei, dass Höcke das gesagt und sich nie dafür entschuldigt hat. Und ja, das ist es. Und es ist gut, darauf hinzuweisen und jemand wie Höcke nicht so einfach davon kommen zu lassen.

Witzig ja, aber ansonsten?

Es stellt sich mir aber eine Frage: Ist das das richtige Ziel unseres (= im weitesten Sinne des linken Spektrums) Aktivismus? Sich Bernd Höcke als Ziel einer in der Tat mal wieder äußerst klug inszenierten Kampagne zu wählen, garantiert Schlagzeilen und Lacher. Leider wird es nichts verändern. Wird dieses Mahnmal auch nur eine*n Antisemit*in in der AfD eines Besseren belehren? Wird es Bernd Höcke dazu bringen, von nun an ein ehrbarer Demokrat und Antifaschist zu sein? Wird es die AfD als Ganzes schwächen? Nein. Nein. Nein.

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(c) Patryk Witt / Zentrum für Politische Schönheit

Die Aktion fällt in die gleiche Kategorie wie all die Witzchen von Böhmermann, heute-show oder US-Latenight-Comedians. Das ist alles witzig und eine schöne Ablenkung in düsteren politischen Zeiten für Menschen wie mich, die ab und zu mal eine Pause von der ganzen alltäglichen Scheiße um Trump, AfD und brennenden Flüchtlingsheimen brauchen. Aber es wird nichts bewegen.

Das ZPS kann es doch eigentlich

Das ZPS ist immer dann am stärksten, wenn es Aktionen startet, die politische Skandale ans Licht der Öffentlichkeit bringen. Ein fantastisches Beispiel ist für mich die 25.000€-Kampagne aus dem Jahr 2012 mit der man versuchte, den Besitzer*innen der deutschen Waffenschmiede Krauss-Maffei Wegman das Handwerk zu legen. Das gelang zwar nicht, allerdings wurde eine breite gesellschaftliche Debatte über die deutsche Waffenindustrie im Allgemeinen und den Panzerdeal mit Saudi-Arabien im Besonderen entfacht. Diese Art des ‚Ans-Licht-bringen‘ wird dieses Mal ausbleiben – man weiß schon was für ein fürchterlicher Mensch Bernd Höcke ist. Es ist einfach ihn für den eigenen Witz, die eigene spitzfindige Aktion zu nutzen. Es wird der AfD aber nicht wehtun. Viel aufwändiger wäre es die AfD zu infiltrieren oder generell Wege zu finden, wie man ihr tatsächlich schaden kann.

Alternativ könnte man sich auch Politikfeldern wie der Sozialpolitik zuwenden und medienwirksam aufzeigen, dass die AfD nur so viel über Flüchtlinge redet, weil sie für andere Themen keine Antworten hat. Wie das geschehen soll? Ich weiß es nicht. Aber beim ZPS gibt es sicherlich viele kreative Köpfe, denen etwas Gutes einfallen würde. Das wäre langwieriger, anstrengender und vielleicht nicht so perfekt auf die mediale Aufmerksamkeitsökonomie zugeschnitten wie ein Mahnmal in Bernd Höckes Vorgarten. Aber es wäre effektiv in der Auseinandersetzung mit der AfD.

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