Nach der Wahl kommt die Wut

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Ich war gespannt. Am Sonntag Abend saß ich aber nicht vor dem Fernseher, sondern arbeitete. Es wurde 18:00 Uhr und dann schaute ich auf die ersten Hochrechnungen und Prognosen. Uff. Auch wenn ich mit keiner Partei wirklich sympathisiere, versetzte mir das Wahlergebnis einen Schlag. Von Sebastian Kunze.

Es werden fast 100. Knapp einhundert zum Teil extrem rechte Abgeordnete ziehen demnächst in den Bundestag ein. Sie werden ein Abgeordneten-Diät von über 8.000 Euro erhalten und insgesamt wird der Partei AfD und ihrem extrem rechten Umfeld Hunderttausende, wenn nicht Millionen an Euro zufließen. Eine politische Stiftung werden sie nun auch gründen können und Geld dafür erhalten, wie die anderen Parteien – das wird auch zur nachhaltigen Erstarkung der extremen Rechten beitragen.

Mit dieser Bundestagswahl haben wir den Startschuss zu einer uns noch bevorstehenden rechten Revolution erlebt. Es ist nicht übertrieben, auch wenn es keine gewaltsame plötzliche revolutionäre Umwälzung geben wird. Der Kulturkampf, den wir bisher erlebt haben, wird intensiviert. Die Tabubrüche werden sich häufen. Die Grenze des Sagbaren immer weiter nach rechts verschoben. Im Wahlkampf wurde der AfD-Mensch Gauland nach seinen menschenverachtenden und dehumanisierenden Worten in Talkshows eingeladen – ein Zeichen, dass es kein Tabu mehr ist, öffentlich Menschen töten zu wollen (freilich in netten, offenen, etwas verschleiernden Worten) und dafür nicht ausgeschlossen zu werden aus dem öffentlichen Diskurs.

Es gilt nun den Widerstand zu stärken. Die extreme Rechte trieb mich in die Arme der Parlamentaristen. Zumindest bis diese Krise überstanden ist. Wogegen wir uns wehren müssen ist eine Normalisierung der AfD. Sie sind und bleiben extrem Rechts. Sie sind nationalistisch, xenophob, demokratiefeindlich und auch noch neoliberal. Eine offene Gesellschaft missfällt ihnen: Sie wollen Einfluss auf die Inhalte der Medien, sie wollen uns verbieten gegen sie Partei zu ergreifen, während sie geifernd weiter ihren Rassismus speien. Wir müssen uns wehren und dazu brauchen wir eine Strategie.

Diese Strategie ist zwar darauf auszurichten, gemeinsam gegen die AfD zu arbeiten, nur sollten durch diesen Kampf nicht die Unterschiede der anderen „87 Prozent“ überdeckt werden. Mich eint mit der CDU/CSU und der FDP zwar etwas mehr als mit der AfD —�ähnlich aber weniger stark verhält es sich mit SPD, Grüne und Linke — doch ich muss mich nicht gemein machen mit ihnen. Dennoch brauchen wir für den parlamentarischen Kampf ein Zweckbündnis und dieses muss sich von der Koalition bis zur Opposition erstrecken. Etwas Neuartiges im Bundestag — so wie eine extrem rechte Partei.

Neben meiner Enttäuschung wuchs auch meine Wut. Meine Wut über die Ignoranz, meine Wut über den Hass und meine Wut über diese Gesellschaft. Mit meiner Wut kam aber auch eine neue Entschlossenheit: Jetzt erst recht. Widerstand gegen die Lügner und Rassisten der AfD!

Was denkt ihr zur Bundestagswahl? Wollt ihr unsere_m_r Gastautor_in zustimmen, oder widersprechen? Dann kommentiert und kommt ins Gespräch.
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8 KOMMENTARE

  1. Guten Tag. Ich entnehme dem Beitrag, dass Herr Kunze zu CDU/CSU und FDP tendiert. Dennoch ein klares Statement gegen die AfD.
    Dem Resümee kann ich mich demnach also anschließen: “Dennoch brauchen wir für den parlamentarischen Kampf ein Zweckbündnis und dieses muss sich von der Koalition bis zur Opposition erstrecken. Etwas Neuartiges im Bundestag — so wie eine extrem rechte Partei.”
    Und richtig. Dass dadurch Unterschiede überdeckt werden-möchte auch ich als Linker nicht.
    BTB

    • Hallo Burkhard Tomm-Bub, die Schlussfolgerung, die du da ziehst würde ich doch gern begründet haben. Wo liest du meine angebliche Tendenz zum konservativ-neoliberalen Lagerheraus? Das erstaunt mich doch sehr. Die Unterschiede dürfen auf jeden Fall nicht überdeckt werden zwischen den einzelnen Parteien, allerdings sollten sie sich einig im Kampf gegen diese AfD sein/werden. Vielen Grüße, SK.

      • Guten Tag.
        Keine Schlußfolgerung.
        Eine Frage der Semantik!
        Zitat:
        ” … Mich eint mit der CDU/CSU und der FDP zwar etwas mehr als mit der AfD —�ähnlich aber weniger stark verhält es sich mit SPD, Grüne und Linke — …”
        Heißt: Das Einende ist bei CDU/CSU und der FDP “etwas mehr.” Und bei den anderen “weniger stark”.
        Das ist alles.
        MfG
        BTB

        • Nun ja, ich denke weniger, dass es eine Frage der Semantik ist, also der Bedeutung des Satzes sondern eher, dass es eine Frage der Grammatik ist, d.h. der Form und Funktion der Wörter im Satz.
          Ich schrieb, richtig zitiert: “Mich eint mit der CDU/CSU und der FDP zwar etwas mehr als mit der AfD – ähnlich aber weniger stark verhält es sich mit SPD; Grüne und Linke” Also: Klar ist, mich ein wenig mit der AfD. Etwas mehr Einigkeit könnte ich mit CDU/CSU/FDP erzielen. Das Verhältnis aber zwischen diesen beiden Gruppen ist ähnlich zu SPD/GRÜNE/Linke, aber das Verhältnis ist weniger stark ausgeprägt, bedeutet also nicht, mich eint weniger mit SPD/GRÜNE/LINKE als mit den anderen, sondern, ganz im Gegenteil, das Verhältnis zwischen diesen Gruppen CDU/CSU/FDP und AfD ist also stärker als das zwischen AfD und SPD/GRÜNE/LINKE. Ergo: Mich eint mit letzteren mehr als mit ersteren.

          Zugegeben: Ich hätte es einfacher ausdrücken sollen. Daran werde ich das nächste mal denken.
          Danke. SK.

          • Guten Tag,
            auch darüber kann man nun wieder trefflich streiten. Hätte ich sogleich auf die Grammatik abgehoben, hätte ich damit bereits vorab darauf abgestellt, dass der Verfasser selbige, nun, suboptimal genutzt hat.
            Hätte aber das was ich annahm zugetroffen, hätte ich den Sinn richtig verstanden. Der Verfasser reagierte aber auf meine Äußerung in dieser Hinsicht ungehalten.
            Weil er eben etwas anderes gemeint hatte, als er schrieb.
            Einen Fehler gemacht zu haben: kann oder mag er nicht einräumen.
            Stattdessen wird der Ball zurück gespielt, auf den wohl etwas unbedarften Leser, der nichts richtig versteht, was “nicht einfach” ist. Kann man so machen …
            MfG
            Burkhard Tomm-Bub

  2. Ja, jetzt erst recht! Rassismus, Antisemitismus, Sexismus und generell Gewalt darf sich nicht weiter ausbreiten + dem gilt es im Alltag, wo immer uns das begegnet nach wie vor entschieden entgegenzutreten! Ich glaube jedoch, dass ein Wetteifern in Anti-Parolen auf x-beliebigen Socialmedia-Plattformen langfristig nicht die Lösung des Problems ist, aber das kann ja glücklicherweise noch jede_r selbst eintscheiden. Im Gegenteil, ich bin der Meinung, dass jeder noch so gegnerisch gemeinte Anti- und Empörungstweet die gegenerische Seite auf #ne ungewollte Art und Weise noch verstärkt. Soll nicht heißen – wie schon gesagt – den Scheiß im Alltag zu ignorieren.

    Und ja entschiedene Kante gegen die AFD im Bundestag! Wie das allerdings mit CDU/CSU gelingen soll ist mir ein Rätsel, weil deren politische Inhalte sich mittlerweile mit der identitären Bewegung decken, siehe die Flüchtlingspolitik. Ich bin der Meinung, dass die demokratischen Alternativen, nach denen jetzt umso dringender zu suchen ist, nicht zwangsläufig im Bundestag zu suchen sind. Es gilt dem gesamtgesellschaftlichen Rechtsrutsch m.M.n. auch von außen etwas entgegenzusetzen. Sonst kippen am Ende auch noch die letzten linken dort, in Teilen tun sie das ja schon. Erbärmlich genug, aber genau wie das Wahlergebnis, ist auch das leider keine Überraschung.

    • Ich kann dir in deinem Kommentar eigentlich nur zustimmen. Mein Beitrag sollte auch nicht bedeuten, dass es keine außerparlamentarische Opposition braucht, derer bedarf es ja noch viel mehr als im Bundestag, denn die Wähler_innen der AfD sind nicht im Bundestag, sondern wir begegnen ihnen im Alltag. Allerdings sind dies nicht die einzige, die den Rechtsrutsch mitverantworten und durchsetzen, dazu sind waren und werden auch viele andere gebraucht. Dem muss permament etwas entgegen gesetzt werden – die Frage nach dem Wie und dem Was genau, die müssen wir schnellsten klären. SK.

      P.S. Es gibt übrigens eine Blogparade bei http://meinungsschauspieler.de für positive Visionen, auch um den Nazis etwas entgegen zu setzen.

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