Dreckig lachen in der Wahlkabine

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+++ English version below +++

Spoiler: Es gibt gar keinen Grund, dreckig zu lachen, wenn man die AfD wählt, um es „denen da oben“ mal richtig zu zeigen. Vielmehr lachen ein paar Wenige am Ende über jeden, der darauf reinfällt. Schaut Euch die Regierung Trump an: Hat nichts Besseres zu tun, als den eigenen Wählern die Krankenversicherung wegzunehmen, Terrorismus und Kriegstreiberei zu fördern.

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Eine Regierung hat nur geringe demokratische Legitimation, wenn große Teile der Bevölkerung nicht wählen gehen.

Erschwerend kommt hinzu: „Was auch immer geschieht: Nie dürft ihr so tief sinken, von dem Kakao, durch den man euch zieht, auch noch zu trinken“ (Erich Kästner) bzw. „Nur die dümmsten Kälber wählen ihre Schlächter selber“ (Bertolt Brecht).

Also Nichtwählen? Ich habe den Eindruck, dass die Bundesregierung ihre demokratische Legitimation gar nicht schnell genug loswerden kann.

Eine demokratische Legitimation ist nämlich verdammt lästig. Man darf als demokratisch legitimierte Regierung nicht einfach machen, was man will. Man ist der Bevölkerung verpflichtet, man ist bestimmten demokratischen Werten verpflichtet.

Menschenrechte, Gewaltenteilung, Checks and Balances, Transparenz, Diskriminierungsverbot, Rechtsstaatlichkeit, Sozialstaatsgebot, Rechenschaftspflicht, Demonstrationen und Pressefreiheit: LÄSTIG.

Falls die Bundesregierung überhaupt jemals auf breites Nichtwählen reagiert, wird sie eher sagen: „Wissta was, diese Wahlen sind sauteuer und nervig, wir haben da auch nicht dauernd Bock drauf, lasst uns das doch bloß noch alle zehn oder zwanzig Jahre machen. Oder gar nicht mehr.“

Ich glaube nicht mal, dass es da großen Widerstand gäbe. Ich glaube nicht, dass eine kritische Masse von Menschen auf den Gedanken kommt, dass eine Regierung, die sich nicht alle paar Jahre einer Wahl stellen muss, einfach eine völlig entfesselte Staatsgewalt ist, die sich einen Scheissdreck darum kümmert, ob ihr Handeln legitim ist – mal ganz zu schweigen von anderen Maßstäben.

Übrigens ist es nicht einkalkuliert, dass alle Menschen gleichermaßen in Scharen nicht zur Wahl gehen. Sondern nur diejenigen, die als Buhmann und Fußabtreter herhalten sollen, die sollen nicht zur Wahl gehen. Auch dann nicht, wenn sie eigentlich wahlberechtigt sind, was ja auch nicht für alle eine Selbstverständlichkeit ist.

Und das klappt ja auch ganz prima: Erwerbslose, Niedriglohnbeziehende, Menschen, die sich gegen Kapitalismus und Faschismus engagieren: niemand hat Bock, sich verarschen zu lassen, und die Erzählung, dass man gerade dann verarscht ist, wenn man sich an einer Wahl beteiligt, spielt den regierenden Demokratie-Hassern perfekt in die Hände.

Deswegen werde ich nicht nur zur Wahl gehen, nicht ungültig wählen und extra solche wählen, die dann hinterher auch tatsächlich vier Jahre lang im Parlament sitzen und stressen.

Sondern ich werde dabei auch dreckig lachen.

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Dirty laughter in the voting booth

Spoiler: There is no reason to laugh when you vote for the AfD to get „those, up there,“ one over. Rather, a select few will laugh at the end about everyone who falls for them. Take a look at the Trump administration: It has nothing better to do than to take away the health insurance from its own voters and to promote terrorism and warfare.

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A government has little democratic legitimacy when big parts of the population do not vote.

Also: „Whatever happens, don’t stoop so low as to practice the sport that others make of you“ (Erich Kästner)* or „Only the most stupid calves elect their butchers themselves“ (Bertolt Brecht). [These two are often cited in German-language discussions about whether to vote or not.]

So, do not vote? I have the impression that the federal government cannot get rid of its democratic legitimacy fast enough.

A democratic legitimation is damned annoying. A democratically legitimized government cannot do what it wants. It has an obligation to the people, one is tied to certain democratic values.

Human rights, the division of powers, checks and balances, transparency, non-discrimination, the rule of law, welfare state, accountability, demonstration and freedom of the press: ANNOYING.

If the federal government ever reacts to broad non-voting, it will probably say: „You know what, these elections are fucking expensive and annoying, we do not fancy them either, let us do it only every ten or twenty years. Or not at all. “

I do not even think that there would be significant resistance. I do not believe that a critical mass of people thinks that a government that does not have to face an election every few years is simply completely unleashed state power that cares a shit about whether its actions are legitimate – not to mention other standards.

Incidentally, it is not the plan that all sorts of people equally refrain from voting in droves. Only those who are to serve as scapegoats and doormats are calculated to not go to the polls. Even if they are actually entitled to vote which is not a matter of course either.

And that works quite well: the unemployed, low-wage-earners, people who engage against capitalism and fascism: no one fancies to be fooled, and the narrative that one is being fooled precisely when participating in an election plays perfectly into the hands of the ruling democracy haters.

That is why I will not simply go to vote not invalidate my ballot, and elect those who then sit in the Bundestag and nag for four years.

But I will also laugh dirtily.

* Literal translation: „Whatever happens, don’t stoop so low as to drink from the cocoa that others pull you through“. The german idiom „to pull someone through the cocoa“ („jemanden durch den Kakao ziehen“) means „to make fun of someone“.

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