Der rosa Elefant im Bücherregal

Rezension zu „Die Quotenfalle“

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Denken Sie nicht an einen rosa Elefanten! Was tun Sie? Genau. Sie denken an einen rosa Elefanten. Ähnlich verhält es sich generell mit Dingen, die man explizit nicht tun soll. Der Mensch ist von Natur aus neugierig und Verbote stacheln ihn meist eher an. Wieso soll ich das denn nicht tun? Muss ja sehr wichtig sein, wenn es mir so deutlich gesagt wird. Ich will auch nur schnell gucken. So ähnlich verhält es sich mit dem Buch „Die Quotenfalle – Warum Genderpolitik in die Irre führt“.

Deshalb werde ich Ihnen das Lesen nicht verbieten. Lesen Sie es ruhig! Aber teilen Sie es sich eventuell mit zwei, drei anderen Interessierten, damit die Autor*innen aus Ihrer Neugier nicht gar so viel Kapital schlagen. Im Grunde ist dieses Buch nämlich vor allem eins: eine Zumutung – doch der Reihe nach.

Peinlichkeiten schon auf dem Cover

Die ganze Armseligkeit des Buches zeigt sich schon auf dem Cover. Dort werden drei Herren aufgeführt, die wohl als Herausgeber fungieren. Das muss man allerdings erraten, da das übliche „Hrsg.“ fehlt. Was allerdings nicht fehlt, ist das „Dr.“ vor jedem der drei Namen. Offenbar der Versuch – entgegen der Gepflogenheit, dass ein Doktortitel nichts auf dem Buchcover verloren hat – etwas Seriosität und Gewicht zu verleihen.

Hat man diesen Fauxpas überwunden, erwarten einen, inklusive Vorwort, vierundzwanzig Beiträge von verschiedenen Autoren (immerhin drei Autorinnen lassen sich auch finden, das soll hier nicht unterschlagen werden), die in ihrer Qualität stark schwanken – von mittelmäßig bis absolut peinlich. In den besseren Momenten stellt dieses Buch zumindest berechtigte Fragen. Zum Beispiel was denn eine Frauenquote für Vorstandsposten, der Kassiererin im Aldi bringt? Allerdings sind auch diese durchaus begründeten Fragen immer nur Vorwand, die Quote ohne Wenn und Aber abzulehnen.

Auch ein blindes Huhn…

Dennoch gibt es selbst in diesem Buch Beiträge, die Qualität aufweisen. Quasi die Ausnahme, die die Regel bestätigt. Einer dieser ganz wenigen Beiträge ist der von Sabine Beppler-Spahl. Sie ist Journalistin, Redakteurin beim Debattenmagazins Novo und diplomierte Volkswirtin. Diesen Hintergrund merkt man ihrem Schreiben an. In ihrem Beitrag kritisiert sie die Frauenquote fundiert als Elitenprojekt und zieht Vergleiche zu früheren Frauenrechtsbewegungen. Man muss ihre Meinung nicht teilen, aber zumindest argumentiert sie recht überzeugend für ihre Sichtweise. Das ermöglicht eine Debatte.

Haarsträubende Unkenntnis

Die meisten anderen Beiträge im Buch können das nicht leisten – schlicht weil sie vor Unkenntnis nur so strotzen. Es würde weit übers Ziel hinausschießen, auf jeden Beitrag einzeln einzugehen. Eine Aussage wie im Beitrag von Fiona Lorenz, dass „typische Frauenberufe generell unbestreitbar bessere Arbeitsbedingungen als von Männern ausgeübte Tätigkeiten bieten“ ist schlicht eine Frechheit. Die Altenpflegerin wird sich bedanken. Daraus dann aber abzuleiten, dass dies der Grund ist, wieso Männer im Schnitt mehr verdienen als Frauen, schlägt dem Fass den Boden aus.

Beispiele dieser Art gibt es viele im Buch, die vor allem die Unkenntnis der Autor*innen offenbaren. Da wird die Emma als repräsentativ für den aktuellen Feminismus herangezogen, das überholte Menschenbild des Homo oeconomicus wird kritiklos übernommen oder behauptet, dass eine feministische Diskurspolizei darüber wache, dass Frauen nicht in scheinbar klassischen Frauenrollen, also beispielsweise als Hausfrau und/oder Mutter ihr Glück suchen. Dass sich der Feminismus in den letzten dreißig Jahren zu Feminismen ausdifferenziert hat, dass viele Strömungen existieren, die zum Teil diametral zueinander liegen, wird ignoriert. Letztendlich sind das Plattitüden, die nicht stichhaltiger werden, nur weil man sie über und über wiederholt. Feministische Überlegungen und Debatten werden hier in einer absolut ignoranten Art und Weise eingeebnet.

Es geht auch noch übler

Zwei andere „Argumente“ ziehen sich darüber hinaus durch viele Beiträge: Jede*r ist ihres/seines Glückes Schmied und die Quote ist ein Eingriff in die unternehmerische Freiheit. Dabei wird ignoriert, dass unsere Gesellschaft und damit auch die Arbeitswelt durch viele soziale Kategorien vorstrukturiert ist und damit unser Handeln beeinflusst wird. Marktradikale Ideologie also, die mit der Realität nichts zu tun hat und bei der auch kluge Liberale mit dem Kopf schütteln.

Leider ist das noch nicht alles. Es gibt nämlich auch Beiträge wie der von Ferdinand Knauss. Direkt zu Beginn erörtert Knauss, was man unter Gleichheit überhaupt verstehen solle. An sich eine spannende Frage. Dann aber biegt der Autor auf dunkle Pfade ab. Er schreibt über die Gleichheit von Menschen und dem wissenschaftlichen Konsens, dass es auch biologisch gesehen, keinen Sinn hat von „Rassen“ zu sprechen. Die genetischen Unterschiede zwischen zwei beliebigen Menschen sind größer, als die zwischen wie auch immer gefassten Kollektiven. So weit, so richtig. Dieser Vorbau war jedoch nur gedacht, um ihn direkt im Anschluss wieder abzureißen. Ziemlich unverblümt fordert der Autor sich doch mal wieder mehr mit der Kategorie „Rasse“ in der Medizin zu befassen. Die Naturwissenschaftler machten hier laut Knauss den Kulturwissenschaftlern einen Strich durch ihre „liebgewonnene Rechnung“, dass sich Menschen nur selbst in Gruppen einteilten. So eine Aussage ist nichts als peinlicher Rassismus, zumal der Autor ein paar Absätze zuvor selbst Naturwissenschaftler zitiert, die die Kategorie „Rasse“ als ungültig entlarven.

Der rosa Elefant im Bücherregal

Man könnte mir nun sicherlich vorwerfen, dass ich kein geeigneter Rezensent für ein solches Buch bin. Ich habe dezidiert feministische Ansichten und positioniere mich auch bewusst so. Wenn es fundiert und überzeugend präsentiert ist, kann ich aber auch einem konservativem Argument etwas abgewinnen. Leider ist das in diesem Buch – bis auf sehr, sehr wenige Ausnahmen – in keiner Weise der Fall. Die Beiträge sind schlecht recherchiert, voll mit Plattitüden und nehmen einfachste gesellschaftliche Tatsachen nicht zur Kenntnis.

Ich kann also nur wiederholen: Denken Sie von mir aus an einen rosa Elefanten. Aber kaufen Sie dieses Buch nicht!


Ein Rezensionsexemplar des Buches wurde uns freundlicherweise von der Quadriga Communication GmbH zur Verfügung gestellt.

Buchcover "Die Quotenfalle"

Harald Schulze-Eisentraut, Torsten Steiger, Alexander Ulfig (Hrsg.): Die Quotenfalle. Warum Genderpolitik in die Irre führt. FinanzBuch Verlag, 2017. ISBN: 9783959720151 Preis: 19,99€

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