Die zahnlose Linke

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Gibt es eigentlich noch das revolutionäre Potential, das früher in den Arbeiter_innen gesehen wurde? Wie will die gesellschaftliche Linke ihre Vision einer gerechteren Welt heutzutage umsetzen? Der Kampf ist gescheitert, endgültig. Endgültig? Ein Wutausbruch von Sebastian Kunze

Die Linke ist zahnlos, schon lange. Damit meine ich nicht nur die SPD, die sich den revolutionären Zahn schon kurz nach ihrer Gründung selber zog und seitdem dem Ziel einer gerechteren Welt eher im Weg steht, als ihn zu bereiten. Darum geht es auch gar nicht. Ich frage mich zunehmend, was aus scharfer linker Kritik, die praktisch wird geworden ist? Wo ist das Sendungsbewusstsein alternativer Lebens- und Wirtschaftsformen geblieben? Was ist passiert, dass heute die Welt härter und ungerechter ist und man dennoch hört, dass die CDU sozialdemokratischer ist als die SPD?

Gewalt und Solidarität

Seit den 80er Jahren gibt es einen aktiven Rechtsterrorismus in Deutschland, eindrücklich zeigt dies das das Attentat auf das Oktoberfest 1980. Die Wehrsportgruppe Hoffmann, Solingen, Rostock-Lichtenhagen, der NSU und auch der zuletzt enttarnte Franco A. stehen ebenso in dieser Reihe. Doch neben dem Versagen der Behörden und ihrer möglichen Beteiligung, besticht diese Zeit dadurch, dass es keinen deutlichen Widerstand gegen diese Entwicklung durch das linke Deutschland gab.

Doch nicht nur dagegen gab es keinen effektiven Widerstand. Während Da’esh große Teile des Iraks und Syriens einnahm, während Assad die syrische Bevölkerung schlachtete und selbst bei den Kämpfen in Libyen und vielen anderen Orten beließ es die Linke bei Lippenbekenntnissen. Ja, alle fanden es schrecklich was passierte. Selbst die Gleichsetzung von Islamismus und Faschismus fehlte nicht.

Seit Jahren schaut nicht nur die Mehrheitsbevölkerung in Deutschland mehr oder weniger unbeteiligt bei diesem Massaker zu. Als sich die Lage in Aleppo zuspitzte, kurz vor dem Fall der Stadt, sollte es eine große Solidaritätsdemo in Berlin vor dem Bundestag geben. 5000 Zusagen hatte diese Veranstaltungen auf Facebook. Gute 500, also 10%, davon sind aufgetaucht, ein guter Teil davon Menschen aus Syrien und anderen arabischen Staaten.

Es gab und gibt einige Freiwillige, die gegen diese Barbarei kämpfen, es gibt sie auch in der virtuellen Welt, doch wo ist die Linke geblieben? Wo ihre scharfen Zähne?

Gute alte Zeiten?

Im spanischen Bürgerkrieg in den 30er Jahren kämpften Internationale Brigaden und Thälmann Kolonnen gegen die Faschisten, es kämpften Anarchisten, Kommunisten und Sozialisten gemeinsam, um die Feinde der Freiheit zu besiegen. Das war ein einprägsamer, ein verlustreicher und harter Krieg, General Franco kämpfte mit der Unterstützung der deutschen Nationalsozialisten, die sogenannte Weltgemeinschaft tat nichts. 3 Jahre zog sich dieser Krieg hin. In der linken Tradition verankerte sich der spanische Bürgerkrieg unter anderem in Die Thälmann Kolonne (auch Spanien Himmels genannt) von Paul Dessau. In der klassischen Interpretation singt Ernst Busch: „Den Faschisten werden wir nicht weichen/ schickt er auch die Kugeln Hagel dicht“ – dieser Kampfgeist hat leider nichts genutzt. Die faschistischen Putschisten gewannen den Bürgerkrieg. Die internationale Linke scheiterte beim Versuch die Republik zu retten. Im Falle der Kommunisten in Machtpositionen wurden sie selbst zu Barbaren. Doch der springende Punkt ist, dass wenn es darauf ankam, die Linke zusammen kämpfte.

Und nun?

Während man damals entschlossen in den Kampf zog und auch mit der Waffe gegen die Faschisten kämpfte, gibt es heute Solidaritätsdemos und Petitionen, die in der Praxis wenig helfen. Linke müssen wieder lernen, sich in entscheidenden Momenten zu vereinen – und ich meine hier nicht bei Wahlen in reichen Industrienationen, sondern wenn es um das Überleben von Menschen geht.

Der Linken sind die Zähne gezogen worden. In Deutschland hat daran ein Rechtsruck Schuld, der geschickt die öffentliche Debatte umdreht. Mit der Behauptung eines angeblichen Gesinnungsterrors und Political-Correctness-Wahns von Links, inszenieren Rechte sich erfolgreich als Opfer.

Die Linken ist im Zusammenspiel vom Terror der RAF und der konservativen Politik, die de facto seit der Ära Kohl durchgehend dieses Land geprägt hat, weiter geschwächt worden. Doch vor allem hat sich die Linke selbst verloren. Ihre Werte, Freiheit, Gleichheit und Solidarität, haben sich im Angesicht einer „komplexeren Welt“ insofern angepasst, als dass sie nun immer mehr Abstriche machen, wenn es um genau diese Werte geht.

Ohne eine Reflexion, und vor allem einen neuen Enthusiasmus, wird linke Politik untergehen. Am Ende wird behauptet werden, alle sind doch irgendwie links, selbst die CDU – und dann ist es vorbei. Moment mal… ?!

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