„Kleiner Fünf“ sind mehr als Fünf

Bericht über eine Kampagne gegen den Einzug rechtspopulistischer Parteien in den Bundestag

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Station Bundestag der Berliner U-Bahn
Station Bundestag der Berliner U-Bahn

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Die Kampagne <5 (Kleiner Fünf) will durch gezielte Aktionen verhindern, dass im September eine rechtspopulistische Partei in den Bundestag einzieht. Um dieses Ziel zu erreichen, hat sich die Gruppe, die aus einem Kernteam und vielen Engagierten aus ganz Deutschland besteht, vorgenommen, das Gespräch mit Menschen in ganz Deutschland zu suchen: On- und Offline, ausgestattet mit guten Argumenten und vor allem: radikal höflich. Von Amina Nolte

Die Idee

Die Idee zu „Kleiner Fünf“ entstand während eines Telefongespräches im April 2016: Ulrich und ich sprachen über Projektanträge, die wir gemeinsam stellen wollten. Es sollte um die Aufarbeitung der NS-Zeit in der arabischen Welt gehen. Oder so ähnlich. Fakt ist, dass wir diese Anträge nie gestellt haben. Zu schnell kamen wir nämlich auf die aktuelle politische Lage in Deutschland zu sprechen: die AfD war gerade in drei weitere Landtage eingezogen, die so genannte „Flüchtlingskrise“ war noch immer in aller Munde und musste für jede politische Schieflage herhalten. Am Telefon spannen wir Ideen, wie und was getan werden müsse, um rechtspopulistischen Parolen entschieden, aber auch anschlussfähig und durchdacht entgegenzutreten. Eine ‚bourgeoise Antifa‘ müsste es sein. Ein breites gesellschaftliches Bündnis, das nicht nur gegen Rassismus und Rechtspopulismus vorgehen will, sondern auch neue Ideen und Visionen in den politischen Diskurs einbringen kann.

Aus der Idee während des Telefonates wurde ein Wochenende in Brandenburg, das Ende August 2016 statt fand. Es kamen zwölf Menschen, von denen Ulrich und ich wussten, dass sie Lust auf politische Auseinandersetzung und Veränderung hatten; und die bereit waren ein Augustwochenende für eine noch recht vage Idee aufzugeben. Trotz Sommerhitze blieb der nah gelegene See von uns fast unbesucht. Zu dicht war unser Programm zwischen AfD-Parteiprogrammanalyse, Diskussionen zum Populismus-Begriff und einer Bestandaufnahme bestehender Bündnisse und Initiativen gegen Rechtspopulismus. Zwischen Bier und Steinofenpizza analysierten wir, was uns in der politischen und zivilgesellschaftlichen Landschaft in Deutschland fehlte. Klar war, dass wir keine Konkurrenz zu bestehenden Initiativen sein wollten. Dass wir Synergien bündeln und dabei vielleicht unbesetzte Nischen würden füllen wollen.

Gruppenbild von "Kleiner Fünf" Aktivisten

© <5

“Tadel verpflichtet”

Heraus kam der Verein „Tadel verpflichtet!“ Mit viel Selbstironie wollten wir verdeutlichen, dass es uns nicht mehr reicht, nur zu tadeln, zu meckern und besorgt über Facebook kritische Artikel zu teilen. Wir wollten raus aus unserer eigenen sozialen Blase und rein in die politische Auseinandersetzung. Das erste Projekt des Vereins ist die Initiative „Unser Ziel: Kleiner 5“, deren Name ebenso Programm ist. Unser Ziel ist es, dass die AfD als rechtspopulistische Partei im September 2017 nicht über die Fünf-Prozent-Hürde kommt und somit nicht in den Bundestag einziehen kann. Schwerpunkte von „Kleiner Fünf“ sind dabei die Entwicklung von Online-Formaten und die Ansprache der bürgerlichen Mitte.

An Kritik an diesem Namen hat es von Anfang an nicht gemangelt. Menschen werfen uns mangelndes Demokratie-Verständnis oder auch die negative Formulierung des „kleiner“ Fünf-Gedankens vor. Wir sind uns dessen bewusst und scheuen keine Auseinandersetzung und kritische Debatte, was den  Namen betrifft. Andere finden uns nicht links und divers genug, andere beschweren sich darüber, dass wir die Dinge in Deutschland ingesamt zu positiv darstellen. Kurzum, an Kritiker_innen mangelt es uns fürwahr nicht. Aber auch nicht an Unterstützer_innen unseres Vorhabens: Zahlenmäßig sind wir heute, im Frühjahr 2017, deutlich mehr als „fünf“: Über 120 Menschen haben sich uns angeschlossen, um nicht nur der AfD, sondern all dem, wofür sie steht, sachlich und radikal höflich entgegenzutreten: online und offline, in Ost- und West, Süd-und Norddeutschland. Vor dem Hintergrund unserer Grundwerte (hier), bieten wir möglichst vielen Menschen eine Plattform, sich auf durchdachte Art und Weise in die politische Auseinandersetzung einzubringen.

Die Arbeit

Ein bisschen hat es gedauert, bis wir die Balance zwischen dem Wunsch, basisdemokratische Strukturen aufzubauen und dem gleichzeitigen Bedürfnis, uns dabei nicht in endlosen internen Diskussionen zu verlieren, gefunden haben. Alle dürfen mitreden, aber es gibt klare Zuständigkeiten und Aufgabenbereiche. Und es gibt viel Unterstützung für unsere Arbeit. Täglich bekommen wir E-Mails von Menschen, die mitmachen wollen, die uns Geld spenden oder uns ihre Expertise kostenlos zur Verfügung stellen. Auch an Kritik mangelt es nach wie vor nicht. Noch bevor viele Menschen unsere Website angeschaut oder geschweige denn nachgefragt haben, wissen sie schon, wofür wir stehen, wer uns angeblich bezahlt oder was wir alles nicht werden erreichen können. Und dabei wissen wir das ja selbst am besten. Uns ist bewusst, dass die Zeit knapp ist und die Ressourcen begrenzt. Uns ist bewusst, dass hinter dem Erstarken rechtspopulistischer Parteien und Diskursen teilweise gesellschaftliche Problemlagen stehen, für die wir bis zur Wahl keine Lösung anbieten werden können. Uns ist bewusst, dass die Frage „Aber wen soll ich denn stattdessen wählen?“ für viele Menschen in Deutschland unbeantwortbar erscheint. Wir haben für viele politische Herausforderungen keine Antworten parat und geben keine Wahlempfehlungen ab, aber das müssen wir in unseren Augen auch nicht.

Radikale Höflichkeit als Methode von Kleiner Fünf

© <5

Aber wir haben mittlerweile ein nicht-virtuelles Büro und drei Honorarstellen geschaffen. In Schleswig Holstein hat sich vor der Landtagswahl eine sehr aktive Regionalgruppe von „Kleiner Fünf“ gegründet, die vor allem Erstwähler_innen an die Urnen bringen will. Wir bringen im täglichen Austausch Menschen im Alter von 15-70 Jahren zusammen. Die nationale Presse hat uns wahrgenommen und fragt uns ab und an nach unserer Meinung. Über 5000 Menschen mögen uns auf Facebook und die Zahlen wachsen jeden Tag. Viele kreative Köpfe feilen jeden Tag an neuen Ideen für unsere Kampagne. Und wir haben in unserer Cowdfunding-Kampagne bereits über 5000 Euro zusammen bekommen. Das sind noch nicht die 30 000, die wir bis Ende Juni brauchen, aber wir haben ja noch fünf Wochen Zeit. Es könnte schlechter laufen. Es fühlt sich gut an, dass wir durch „Unser Ziel: Kleiner 5“ jeden Tag merken, dass wir seit April 2016 einiges passiert ist und dass sehr viele Menschen unsere Arbeit schätzen und teilen. Und dass wir viele Menschen mit einem gemeinsamen Anliegen sind.

Lest hier mehr über uns: www.kleinerfuenf.de

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