Perspektivwechsel

0

Keinen Post mehr verpassen? Folge uns auf Facebook oder Twitter!

Die Perspektive wechseln, es anders betrachten. In diesem Kommentar spricht unser Autor über seine Integration, die Probleme und was wirklich wichtig ist, wenn wir über Migration sprechen. Von Sebastian Kunze

Zu Hause ist es schwer nachzuvollziehen, wie sich Menschen fühlen, die nicht aus dieser Gegend sind. Noch schwieriger wird es, wenn Menschen aus anderen Ländern bei uns leben. Klar, werden jetzt viele denken, nicht schon wieder ein Refugee Welcome-Artikel. Doch halt. Es geht nicht um fliehende oder geflüchtete Menschen, sondern allgemein um Migranten.

Lassen wir es Briten, Kanadier, Nigerianer oder Chinesen sein – vollkommen egal und für den Aufgeregten lassen wir diese Menschen auch „legal“ sein, d.h. sie haben eine Arbeitserlaubnis, einen Aufenthaltsstatus und leben nun in Deutschland.

Nachfühlen, können wir dies in der Regel nicht. Auch nicht, wenn wir in den Urlaub gefahren sind, auch wenn wir da ja schließlich im Ausland waren. Doch erinnere dich genau! Wie war das? Du wusstest, es war auf Zeit, du fliegst bald zurück und brauchst damit auch gar nicht erst den Versuch machen, dich wie auch immer zu integrieren.


Keinen Post mehr verpassen? Folge uns auf Facebook oder Twitter!


Nun habe ich selbst mehrmals länger im Ausland gelebt und muss sagen: Es ist schwer. Zu schnell wird man oft als Ausländer identifiziert oder für einen Touristen gehalten, dann springen viele – wohlmeinend – ins Englische und schon kann man das Üben der Landessprache vergessen. Es ist ein ständiges Scheitern, dass man durchhalten muss. Auch muss man aushalten, nicht immer alles zu verstehen. Wenn ich zum Beispiel eine Postkarte kaufe und frage, ob es auch Briefmarken gibt, ist die Antwort nicht immer eindeutig ja oder nein.

Letztens entschuldigte sich der Verkäufer, dass er keine habe (so viel habe ich verstanden), dann sprach er weiter und weiter. Erst nach kurzer Zeit habe ich bemerkt, dass er mir den Weg zu einer Post erklärte, wo ich Briefmarken kaufen kann. Klar, es wäre einfacher gewesen als Tourist aufzutreten oder ins Englische zu wechseln, doch was bringt es mir? Es macht mir das Leben ein wenig einfacher, doch auf lange Sicht eher schwerer, ist die Landessprache doch unheimlich wichtig, wenn man im Ausland lebt. Das wird auch in Deutschland immer wieder betont. Reisen Deutsche dann außerhalb Deutschlands scheinen sie dies aber immer wieder zu vergessen. Darüber wundere ich mich.

Nun, je nachdem, wo man sich länger aufhält, kann man schnell als nicht dazugehörig identifiziert werden: Sei es durch die blasse Haut, den deutschen Akzent, die Art, wie man sich verhält, das Nichttragen landestypischer Kleidung oder religiöser Symbole.


Keinen Post mehr verpassen? Folge uns auf Facebook oder Twitter!


Je öfter und länger ich in anderen Ländern Zeit verbracht habe, bin ich selbst etwas entspannter geworden. Klar, nicht jeder lernt schnell deutsch oder verhält sich so, wie viele es in Deutschland gerne hätten (und damit meine ich nicht kriminelles Verhalten!) – doch lebt man in einem anderen Land, hält man selber fest an eigenen Gebräuchen, an der eigenen Sprache und, genereller gesprochen, Vertrautem. Dies sollte man keinem Menschen zum Vorwurf machen.

Was will ich damit sagen? Manchmal hilft es, sich in den anderen hineinzuversetzen, um ihn zu verstehen, das hilft, auch bei der Integration, denn diese ist keine Einbahnstraße, sondern funktioniert nur mit einer Gesellschaft, die Integration ermöglicht. Es geht dabei nicht darum, jeden einzelnen zu integrieren, dass schafft eine Gesellschaft nicht, auch nicht mit allen Angehörigen, die in diese Gesellschaft hineingeboren werden. Das ist etwas, was selten gesagt wird und zum Selbstbetrug unserer Gesellschaft gehört. Damit sollte Schluss sein. Hören wir auf, Argumente gegen Integration zu suchen und zu sammeln. Wir brauchen Lösungen für bestehende Probleme. Davon profitiert unsere Gesellschaft. Nicht nur ökonomisch, sondern auch kulturell und sozial.


Sollte dir dieser Post gefallen haben, freuen wir uns sehr über ein Like oder ein Abo. Damit verpasst du keinen Beitrag mehr von uns. Es hilft uns und der Weiterentwicklung des Blogs. Vielen Dank!

Kommentar verfassen