Syrien oder Israel? Schluss mit der Doppelmoral

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Wir alle sehen zu, wie das Morden in Aleppo geschieht, tagtäglich. Doch unsere Passivität hat etwas Scheinheiliges, es ist doppelzüngig. Wieso? Und was ausgerechnet Israel damit zu tun hat, lesen Sie im neuesten Kommentar von Sebastian Kunze.

Scheinheiligkeit vor dem Herrn

Ich bin normalerweise genügsam und habe mich, so wie die große Mehrheit schuldig gemacht. Ich bin mitschuldig, dem Morden in Syrien und besonders Aleppo zugesehen zu haben. Der syrische Staat kämpft gegen die eigene Bevölkerung, zumindest gegen die Teile, die Bashar Al-Assad nicht mehr als ihren Präsidenten möchte. Dafür wurde und wird das Land in Schutt und Asche gelegt. Unter dem Deckmantel des Krieges gegen den Terror, den der Westen nach 9/11 ausrief, bomben nun Assad und Russland gegen die Rebellen, die für sie Terroristen sind. Doch egal, wie man die Menschen bezeichnet, in Aleppo leben und lebten viele hunderttausend Menschen. Sie wurden in den vergangenen Jahren belagert, beschossen, bombardiert und ausgehungert. Wir lesen davon oft in der Zeitung, Europa ist mäßig empört, möchte aber nicht weiter auf Konfrontation gehen. Wir führen politisch unsere eigenen Werte ad absurdum. Europa und Deutschland sehen bei den Menschenrechtsverletzungen tatenlos zu. Menschenrechtsverletzungen? Wir können auch Kriegsverbrechen vor aller Augen sagen. Double-Tap-Angriffe, bei denen erst gebombt wird und, wenn die Helfer vor Ort sind, ein zweites Mal. Krankenhäuser und die Zivilbevölkerung werden aufs Korn genommen. Es ist eine Kollektivstrafe dafür, in Aleppo zu wohnen. Führen wir lieber nicht die Fassbomben und die Giftgasangriffe an, die in Syrien geschehen sind. Aleppo stand in der letzten Zeit im Fokus, allerdings gibt es überall in Syrien Widerstand gegen Assad und überall gibt es das Morden.

Alles bekannt. Alles gesehen, gesagt und: abgehakt. Die Leute interessiert es nicht.


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Dann dachte ich, was wäre wenn…

Als ich dann am Dienstag früh im Zug saß und in meiner regionalen Tageszeitung einen Augenzeugenbericht aus Aleppo las, da hatte ich einen Gedankenblitz. Was wäre wenn, dachte ich. Ja, was wäre wenn, Israel, das Land gleich neben Syrien, wenige hundert Kilometer entfernt von Aleppo, so agieren würde, wie der syrische Staat das momentan tut? Schwer zu erraten ist es nicht, in der Vergangenheit gab es einige Gelegenheiten, bei denen Israel militärisch beispielsweise gegen die Machthaber im Gazastreifen vorgegangen ist. Ziemlich viele Zivilsten kamen dabei um, doch soweit bekannt, wurde meistens vor den Bomben gewarnt, per Flugzettel und mit Anrufen. Vor den Phosphorgranaten wurde allerdings nicht gewarnt. Wir sehen, es ist nicht so einfach. Doch was genau die israelische Armee gemacht hat, ist gar nicht relevant. Die Situation ist es: Eine überlegene Militärmacht greift an, tötet viele Zivilisten und blockiert die Zugangswege zum umkämpften Gebiet. Es gibt allerdings ein paar Unterschiede: Israel lässt regelmäßig Hilfs- und andere Güter die Grenze passieren. In Syrien ist das schon schwieriger. Die Grenze Gazas nach Ägypten war zeitweilig offen, doch Israel ist nicht das einzige Land, dass den Zugang nach Gaza versperrt – Ägyptens Grenze ist dicht. Außerdem ist nicht bekannt, dass Israel jemals Giftgas eingesetzt hätte, noch dass es Double-Tap-Angriffe flog.

Wir sehen also: Es gibt Unterschiede. Doch was geschieht in der Welt, auf den Straßen, in der Presse?

Die Reaktionen

In der Regel gibt es bei kriegerischen Konflikten in denen Israel involviert ist, große Demonstrationen, kritische, polemische und teilweise antisemitische Beiträge und Artikel in Zeitungen und im Fernsehen. Es wird in Talkshows debattiert, im Bundestag, die Europäische Union protestiert laut und es wird über Sanktionen nachgedacht. Von der Bevölkerung ganz zu schweigen, dort herrschen schon länger Vergleiche mit dem nationalsozialistischen Deutschland.

Diese Scheinheiligkeit kotzt mich an. Wo sind die großen Demos? Wo sind die Assad-Kindermörder rufe? Ich möchte keine rassistischen Demos, aber ich frage mich, wo die Empörung geblieben ist? Hat die sich erschöpft, als gegen die Islamisierung, oder gegen Geflüchtete demonstriert wurde? Oder ist sie beim Al-Quds Tag flöten gegangen? Vor allem: Wo sind die Solidaritätsbekundungen der arabischen Liga? Wo die Großdemos, wie gegen Israel? Kann man sich nur gegen den gemeinsamen jüdischen Feind zusammenraufen, oder sollte das nicht auch beim Abschlachten von Syrerinnen und Syrern möglich sein?


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