Predicitve Policing #1 – Zukunft ohne Verbrechen oder Verurteilung ohne Tat?

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Wer 2002 den Film Minority Report gesehen hat, musste glauben, dass das pure Science-Fiction ist. Ein Verbrechen vorhersagen bevor es geschieht und dann den oder die Täter*in vor der Tat festnehmen? Irgendwie eine gruslige Vorstellung. Vierzehn Jahre später hat die Informationstechnologie enorme Fortschritte gemacht und kann mit riesigen, kaum vorstellbaren Datenmengen umgehen. Big Data ist hier das Schlagwort.

Ein Anwendungsfall von Big Data ist das sogenannte Predicitve Policing (PP) – zu deutsch in etwas voraussagende Polizeiarbeit. Natürlich sind wir noch sehr weit davon entfernt (eventuell ja zum Glück?), Morde vorherzusehen und zu verhindern, wie es im Film der Fall war. Nichtsdestotrotz wird Predicitive Policing vor allem in den USA schon flächendeckend eingesetzt. Und es ist ja auch durchaus verlockend. Die Einbruchsstatistiken schießen mancherorts in ungeahnte Höhen. In Baden-Württemberg beispielsweise um etwa 30% im Jahr 2014.

Ich denke für jeden ist die Vorstellung schrecklich, dass in das Allerheiligste, die eigene Wohnung eingedrungen wird. Die Zahlen zeigen: es ist ein erstzunehmendes Problem, das unbedingt bekämpft werden sollte. Wäre es dann nicht toll, wenn die Polizei schon vor Ort wäre, wenn ein Einbruch stattfindet und einschreiet bevor etwas geschieht? Ich glaube kaum, dass dagegen jemand etwas einwenden würde – außer natürlich die Einbrecher*innen.

Aber was steht hinter dem Schlagwort Predicitve Policing? Was ist die Technik im Stande zu leisten? Sind wir schon in der fernen Zukunft angekommen, die uns der Minority Report gezeigt hat oder läuft das alles wesentlich unspektakulärer ab? Welche Techniken sind verfügbar, welche werden eingesetzt und was hat das für Folgen? Diese Fragen sollen in einer Artikelreihe hier auf undogmatisch.net adressiert werden. Ein weiterer hochinteressanter Aspekt, der in dieser Artikel-Reihe eine Rolle spielen soll, sind dabei die Annahmen, die hinter dem Predicitve Policing stehen. Auf welchen soziologischen und psychologischen Theorien bauen die angewendeten Modelle auf? Denn nicht anderes ist Predicitve Policing – Modelle, die Verhalten voraussagen sollen und dazu mit Unmengen an statistischen Daten gefüttert werden. Wenn also die Grundannahmen dieser Modelle Quatsch sind, ist auch von den Modellen nicht viel zu erwarten. Und selbst, wenn sich die Annahmen als plausibel erweisen sollten, ist es wichtig zu schauen in welchen Szenarien sie möglicherweise versagen und keine Aussagen treffen können.

Vielen Fragen zu einem Thema, dass in Zukunft wohl weiter an Wichtigkeit gewinnt. Zeit also, sich diesem Thema aus kritischer Perspektive zu nähern.


Zum zweiten Teil der Reihe geht es hier.

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