Werdet erwachsen, verdammt!

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Vielerorts wird über Obergrenzen für Flüchtlinge oder die Pros und Kontras von Einwanderung debattiert. Währenddessen werden die praktischen Probleme und das Leid vieler Geflüchteter nicht weniger. Was es braucht, ist ein erwachsener Umgang mit Migration und Flucht.

Ein Kommentar von Jan Schaller

Folgendes Gedankenexperiment: Sie fahren mit dem Auto nach Hause, wollen noch einkaufen, die Wohnung putzen und müssen auch noch den Kleinen aus der Kita abholen. Plötzlich sehen Sie am Straßenrand ein anderes Auto auf dem Dach liegen, qualmend und schwer beschädigt. Weit und breit ist niemand zu sehen, erst recht kein Krankenwagen. Was tun Sie? Die Antwort scheint klar: Sie halten an, rufen einen Krankenwagen und versuchen der verunglückten Person zu helfen. Niemand, der noch halbwegs bei Verstand ist, käme wohl auf die Idee weiter zu fahren, weil er oder sie noch so viel zu tun und gerade keine Zeit für den Mist hat.

Es käme auch niemand auf die Idee, zuerst abzuwägen, was es ihm oder ihr persönlich brächte jetzt zu helfen. Niemand, der noch klar denken kann, würde eine Kosten-Nutzen-Rechnung anstellen bevor er oder sie hilft. Auch käme man wohl nicht auf die Idee, eine jährliche Begrenzung für Autounfälle zu fordern. Natürlich – man tut viel, um Autounfälle zu verhindern und Autos sicherer zu machen, aber die Absurdität einer per Gesetzt festgelegten Zahl an Autounfällen liegt wohl auf der Hand.

Was dieses Gedankenexperiment soll? Ersetzen Sie einfach Autounfall durch Migration und Sie werden feststellen, dass die oben genannten Verhaltensweisen gar nicht mehr so absurd klingen. Überlegen was Flüchtlinge uns bringen und Rechnungen, ob sie nun mehr in die Sozialkassen einzahlen oder kosten? Check! Bürger*innen, denen das Geschehen völlig egal ist und die bloß nicht damit belästigt werden wollen? Check! Ständige Überlegungen wie hoch die jährlichen Kontingente nun sein sollen? Check!


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Was soll das? Es geht hier nicht um einen verhandelbaren Sachverhalt für oder gegen den man sich entscheiden kann. Es geht um Hilfe in einer akuten Notsituation. Es mag jedem und jeder freigestellt sein, ob er oder sie es jetzt begrüßt, dass Menschen zu uns kommen. Diese persönliche Meinung kann man niemandem verbieten, wenngleich man sie kritisieren oder ihr widersprechen kann. Was aber nicht jedem freigestellt ist, ist der Umgang damit. In akuten Notsituationen ist es nicht die Frage, ob man hilft – es ist ein unverhandelbarer Fakt.

Wir brauchen einen erwachsenen Umgang mit dem Thema. Dazu gehört, ein Problem, eine Herausforderung, eine neue Situation anzuerkennen und sich ihr zu stellen. Es ist KEINE Option, sich wie ein dreijähriges Kind zu benehmen, sich die Decke über den Kopf zu ziehen und so zu tun, als ob es dann die Welt da draußen nicht mehr gäbe. Migration ist mittlerweile ein fester Bestandteil unserer Welt und wird es auch auf nicht absehbare Zeit bleiben. Ergo müssen wir auch in einer Art und Weise damit umgehen, die dieser Unveränderlichkeit Rechnung trägt und lösungsorientiert ist.

Es gilt, sich einzubringen, zu helfen, zu diskutieren, um die besten und angemessensten Lösungen zu streiten für die vielen praktischen Probleme, die jeden Tag auftreten. Sich raushalten ist keine Option. Über die Situation zu lamentieren auch nicht. Und erst recht nicht, über Obergrenzen, Grenzschließungen und ähnliches zu schwadronieren, um das Elend nicht mit ansehen zu müssen.

Werdet erwachsen und stellt euch den Aufgaben!


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