War da nicht was?

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Erinnern Sie sich noch? Worüber ganz Deutschland, vor allem der Westen, am Anfang des Jahres noch berichtete, diskutierte und sich das Maul zerriss? Genau – Sie wissen es nicht, ich auch nicht, obwohl, war da nicht was in Dresden?! Doch ich habe versucht, mich mal zu erinnern. Dabei fiel mir auf, dass wir in diesem Jahr beobachten konnten, wie sich ein Diskurs formierte und andere Themen aus den Medien verdrängte.

Erinnern wir uns, am Anfang des Jahres dominierte die Berichterstattung, die Empörung und das Verständnis für eine ängstliche und aufgebrachte Mittelschicht, die sich unter dem Banner PEGIDA auf die Straße traute, um, kulturell verklärt, ihrer Angst, um den eigenen sozio-ökonomischen Status, Luft zu machen.

Kurzzeitig wurde PEGIDA dann von TTIP und dem Protest dagegen abgelöst. War der Protest gegen das Abkommen und TTIP selbst im Gespräch, kamen dann auch die Abkommen CETA und TISA zur Sprache.

Groß abgelöst wurde dieses Thema dann endgültig durch die sogenannte Griechenlandkrise. Tag ein, Tag aus berichtete man über die Armut und die sozialen Zustände in Griechenland, über Verhandlungen der EU mit der griechischen Führung, die Wahlen in Griechenland und dann wieder über Verhandlungen, Kritik und Propaganda. Zwischenzeitlich war die Stimmung so beängstigend, dass man hoffte, dass sich die Bildzeitung nicht mit einer Schar Gleichgesinnter auf den Weg nach Griechenland macht, um Athen zu besetzen.

In dieser gesamten Zeit, war die Berichterstattung über Flüchtlinge, die über das Mittelmeer oder andere Routen nach Europa kommen, sehr gering. Man hörte wenig, über die hunderten Menschen, die regelmäßig im Mittelmeer starben, sei es nun mit  oder ohne Hilfe der europäischen Sicherheitskräfte.

Doch die Berichterstattung nahm langsam aber gezielt weiter an Fahrt auf.

Es entwickelte sich ein großer, handfester Diskurs zum Thema Flucht und Flüchtlinge. Mittlerweile gibt es nicht nur regelmäßig Beiträge in den Medien, sondern  auch Gesetzesvorschläge von Ministern, Gebäude die ge- oder umgebaut, und manchmal abgebrannt werden, weil dort einmal Flüchtlinge einziehen sollen. Selbst die CSU blieb sich mit absurd fremdenfeindlichen Forderungen treu und wehrt sich sogar, dass Flüchtlinge Vertriebene und Vertriebene Flüchtlinge sind, da der Status als Flüchtling in Bayern scheinbar schon so negativ belastet ist, dass man die Kameraden der alten Landsmannschaften nicht damit in Verbindung bringen will.

Worum es mir eigentlich geht? Ich frage mich, ob es PEGIDA noch gibt, ob TTIP nun gescheitert oder beschlossen ist, oder vielleicht wieder verhandelt wird. Besonders frage ich mich aber, wie denn diese große Krise in Griechenland so unwichtig werden konnte, dass man nichts mehr darüber liest? Oder interessiert uns das einfach gerade nicht?

Der Flüchtlingsdiskurs wird von vielen Seiten genährt, teilweise ist er auch wichtig, um unsere Gesellschaft darauf vorzubereiten, dass wir uns als politische Gemeinschaft verändern werden und zwar grundlegend und unwiderruflich.

Dabei ist die momentane Lage in der Tat schärfer als noch am Anfang des Jahres. Die Frage, die ich mir stelle ist, inwieweit der Mediendiskurs (hier vor allem auch der weltweite Diskurs), dazu beitrug, die Lage zu verändern.

Drängende Fragen, wie die nach einem Freihandelsabkommen mit den USA, einer größeren „rechten Mitte“, die die Demokratie bedroht oder auch das mögliche politische Ende der EU, falls die Rettung Griechenlands scheitert, bleiben unzureichend beantwortet in einer Zeit, in der die Komplexität der Realität nicht dadurch gemindert wird, dass wir nicht mehr darüber berichten, oder nichts mehr darüber hören. Die Welt dreht sich nicht schneller, wir bekommen nur mehr Informationen und von Zeit zu Zeit, geschehen viele Dinge gleichzeitig.

Wir sollten nicht den Fehler machen und uns nur auf eine der Fragen konzentrieren. Wir könnten die Übersicht verlieren und ein vernachlässigtes Problem fällt uns dann in 5 Jahren auf die Füße. Natürlich ist es nicht leicht, den Überblick zu behalten, doch Magazine wie Spiegel, Stern oder Fokus aber auch Zeitungen wie die Süddeutsche oder die Zeit – ganz zu schweigen vom öffentlich-rechtlichen Fernsehen – haben die Kapazitäten, die Informationen zu beschaffen und aufzubereiten. Allerdings war in diesen Medien wenig zu den angesprochenen Themen in ihrer Vielfalt zu lesen bzw. zu sehen.

Es scheint allerdings genau dies, die politische und gesellschaftliche Kurzsichtigkeit, das Hauptproblem unserer Zeit zu sein, das wir trotz unserer Kommunikationstechnologien, nicht lösen konnten. Dieses Hauptproblem, wird also noch viele weitere nach sich ziehen.

Versuchen wir also mehr im Blick zu behalten, als den eigenen Tellerrand der nächsten 4 Jahre und nicht alle herunterzustoßen, die wagen, über den Tellerrand zu uns hineinzuklettern.

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