Solidarität mit Griechenland?

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Griechenland geht es schlecht. Das ist einer der wenigen neutralen Fakten, die man guten Gewissens feststellen kann. Wer polemisiert, manipuliert, lügt oder einfach unmenschlich und kalt ist, ist meistens eine Frage der Perspektive. Deutsche Boulevardblätter haben ebenso ihre feste Meinung, wie vermutlich ihre griechischen Gegenstücke. Dem Anschein nach verhalten sich die europäischen Partner nicht besonders solidarisch und partnerschaftlich – vergessen wir mal die Zuschreibung, wessen Schuld das alles ist bzw. sei.

Es gibt ein Projekt, dass sich über jegliche Propaganda und Agitation hinwegsetzt und Griechenland faktisch helfen möchte. Initiiert hat es Thom Feeney, ein Schuhverkäufer, der in London lebt. Er startete vor ungefähr fünf Tagen ein Crowdfunding-Projekt, um dem griechischen Volk zu helfen. Er versucht sage und schreibe 1,6 Mrd. Euro zu sammeln, ausgeschrieben:                1 600 000 000 €. Bisher sind zwar nur rund 1,6 Millionen zusammengekommen, aber immerhin haben fast 93 000 Menschen etwas dazu beigetragen.

Mit seiner Kampagne möchte er den Griechen helfen und einen Beitrag leisten, da er, wie er sagt, genug hatte von den Politikern und ihren Spielchen. Es ist natürlich eine riesige Summe, die wahrscheinlich nicht zusammen kommt, da es nur noch vier Tage sind. Doch der Versuch zeigt, dass es Mitgefühl gibt. Nicht mit einem abstrakten Land, einem Staat, oder einer Regierung, sondern mit den Menschen vor Ort. Und es zeigt, dass es auch auf der britischen Insel europäische Solidarität gibt! Die bald 93000 Spender zeigen auch, dass es weltweit viele Menschen gibt, die einen Beitrag leisten möchten, um den Menschen in Griechenland zu helfen.

Für mich ist es interessant zu sehen, was noch in dem Projekt steckt. Der Untertitel der Kampagne «Greek Bailout Fund» lautet «CrowdFunding a bailout fund for Greece. By the people, for the people.» Das hier am Schluss verwendete By the people, for the people spielt ganz klar auf die berühmte Formel Abraham Lincolns an, die er am Ende seiner Gettysburg Address formulierte, indem er implizit Politik als «government of the people, by the people, for the people» definierte. Thom Feeney holt dieses Politikverständnis von regieren zurück zum autonomen Handeln, er wendet also die Formel Lincolns tatsächlich an. Er betreibt Politik, wenn auch nur Finanzpolitik, um den Menschen zu helfen, mit denen er sich solidarisch fühlt; und explizit in Abgrenzung zur politischen Kaste Europas und den Staaten, die sie dominieren.

Feeneys Ansatz ist verwurzelt in einer Idee der Arbeit, einer sozialistischen bzw. sozialdemokratischen Idee (auch wenn die Sozialdemokratie dies schon lange vergessen hat!) von Arbeit und Arbeitern, die gegenseitig solidarisch sind. Daher spricht Feeney auch über «real people» und «ordinary people». Diese Überzeugung, Menschen helfen zu können und zu helfen, allein weil sie in ähnlichen Verhältnisse leben, ist eine sozialistische/ sozialdemokratische Idee, doch Feeney transzendiert diese Verständnis über die Arbeiterklasse hinaus: «This isn’t just about Greece, but about the Greek people, the working classes and trying to help other ordinary people across the world.»

Die «ordinary people» sind natürlich nicht nur die Arbeiterklasse, da es diese, zumal in Europa, dem klassischen Verständnis nach, kaum mehr gibt. Es sind die schlecht bezahlten in prekären Beschäftigungen Gefangenen, da mag es vielleicht egal sein, ob Maurer, Schlosser oder Lehrbeauftragter. Die Kampagne Thom Feeneys ist schon jetzt zu einem Symbol geworden, das Symbol für frustrierte Bürger über ihre Politiker, die scheinbar nicht an die betroffenen Menschen denken. Auch ein Symbol für europäische und globale Solidarität. «It shows that whether you’re a working class lad in Yorkshire, Scotland or Athens other people around the world care about you, even if your government has forgotten.» Nehmen wir unser Schicksal wieder in die eigene Hand.

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